[Beitrag] Die Lieblingsbücher meiner Freunde | Teil 5

Endlich ist es wieder soweit: Die nächsten Empfehlungen von Freunden geht online! Heute gewährt euch Marc einen kleinen Blick in seine Sammlung an Lieblingsbüchern. Seid gespannt auf neue Impulse und Literatur abseits des Mainstreams!


Der Fall (Albert Camus)

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Als ich anfing, mir über diese Liste Gedanken zu machen, war mir alles unklar, bis auf eins: Camus musste auf jeden Fall mit rein. Auch wenn ich nach vier Semestern beflissenen Philosophiestudierens nicht mehr so ganz sagen kann, wieso mich dieser Rebel without a cause unter den Existenzialisten in meinem jugendlichen Leichtsinn so begeistert hat, dass ich ihn spontan zum Lieblingsautor auf Lebenszeit kürte, ganz los werde ich ihn jetzt wohl nicht mehr. Vielleicht war es seine illusionslose und doch lebensbejahende Philosophie, die mich enorm ansprach und sich so mühelos und doch nicht auf plumpe Weise in seinen Romanen wiederfinden lässt. Oder die bedeutungsvollen Momente in „Der Fall“, die aus seinem nüchternen und einfachen Schreibstil hervorbrechen, in denen man das Gefühl hatte, jetzt Gott und die Welt endlich verstanden zu verstehen. Vielleicht waren es auch bloß die Zigaretten und schicken Mäntel, die dieser Mann mit solch unwahrscheinlicher Coolness auf alten Fotos zur Schau trug.
Für „Der Fall“ habe ich mich letztlich auch bloß entschieden, weil er meine erste Berührung mit Camus war, genauso gut hätte hier „Die Pest“ stehen können, der die bodenständigere Geschichte erzählt. Dafür hat mich „Der Fall“ mit seinem lockeren Erzählfluss (der Roman ist ein einziger Monolog) stärker in seinen Bann gezogen. Beiden ist jedoch gemein, dass sie, obwohl sie so offenkundig von Camus´ Philosophie beeinflusst sind, sich keineswegs darauf reduzieren lassen, sondern stets Raum für überaus menschliche Momente offenlassen und ihn als den empathischen Denker offenbaren, der er war. Das Leben war Camus ein Kampf ohne Gewinner, und an seinen Charakteren wird diese Zerrissenheit erfahrbar.

 

Der kleine buddhistische Mönch (César Aira)

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An zweiter Stelle soll ein hierzulande wesentlich unbekannterer Autor stehen: der Argentinier César Aira. In seinen kurzen Erzählungen scheint alles möglich und ist gerade so ernst gemeint, wie man es will. So gelingt es ihm spielerisch, Surrealismus und Postmoderne zu einem großen Lesevergnügen zu verknüpfen, dessen sprunghafte Erzählweise sich mehr von einem originellen Einfall zum nächsten trägt, als sich den Erwartungen an eine lineare Handlung zu fügen. Da steht ein selbstmörderisches Pferd neben mysteriösen Hexen, es gibt Exkurse über die Kunst des Witzerzählens, Pagoden und Spongebob. Ausgangspunkt der Absurditäten ist jedoch die Begegnung eines winzig kleinen Mönches mit einem französischen Pärchen in Korea, denen er sich als Fremdenführer anbietet. Während der Mönch von westlicher Kultur besessen ist, ist das Pärchen auf der Suche nach asiatischer Exotik, sodass sich eine Satire auf Tourismus und Kulturenclashs entspinnt. Doch auf solche Bedeutungsebenen lässt sich diese Novelle, wenn sie nicht sogar einfach nur gekonnter Unsinn ist, keineswegs festnageln, sie hat kein Zentrum, sondern ist genauso flüchtig und unecht wie der kleine buddhistische Mönch selbst.

 

Watchmen (Alan Moore/Dave Gibbons)

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Um für etwas Abwechslung zu sorgen, habe ich als meine letzte Empfehlung einen Comic ausgewählt. „Watchmen“ ist da als einer der renommiertesten Vertreter dieser Gattung vielleicht eine recht uninspirierte Wahl, aber das eben auch mit Recht. Seine breite Riege an vielschichtigen, ambivalenten Figuren mit komplexen Hintergrundgeschichten geht weit über die niedrigen Erwartungen hinaus, die mancher Leser auch heute noch an Geschichten über seltsame Bimbos in albernen Kostümen haben mag. Es ist jedoch keine äußere Bedrohung, welche für Spannung sorgt (auch wenn diese in Form des Kalten Krieges permanent gegeben ist), sondern eben die Beziehungen zwischen diesen Charakteren, die alle auf ihre Weise an sich selbst, aneinander oder an der Welt scheitern. So gelingt es Alan Moore auch, die apokalyptische, schwermütige Stimmung dieser Ära heraufzubeschwören und das Superhelden-Genre, für das ich mich eigentlich auch nicht sonderlich interessiere, förmlich auseinanderzunehmen. Besonders wird „Watchmen“ für mich aber vor allem durch verschiedenste Anhänge am Ende jedes Kapitels, die über Auszüge aus Autobiographien der Charaktere über fiktive wissenschaftliche Berichte bis zu einem Comic-im-Comic alles Mögliche sein können. Durch dieses fantasievolle Experimentieren mit der Form wird der Leser zum Detektiv gemacht, der die Puzzleteile der komplexen Welt von „Watchmen“ selbst zu einem passenden Bild zusammenfügen muss.


Was sagt ihr zu diesen für den Mainstream eher unbekannten Werken? Kennt ihr evtl. doch bereits eins davon? Oder wurdet ihr nun neugierig auf den von Marc versprochenen Lesegenuss dieser Bücher?

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