[Gastbeitrag] Einmal Weimar – Immer Weimar

Heute habe ich für euch einen meiner Meinung nach sehr gelungenen Gastbeitrag im Petto. Verfasst wurde der Text von meinen Mitschülern Jorma Vogel und Nikolai Weis, die schon im Deutschunterricht durch ihre besonderen Sprachlichen Leistungen herausstechen. Die beiden sind enge Freunde von mir, daher freue ich mich umso mehr heute einen Beitrag verfasst von den beiden auf meinem Blog online zu stellen. Nun aber genug erzählt, los geht’s mit dem heutigen Gastbeitrag!

Vom 16. bis zum 18. Oktober 2014 unternahmen die beiden Deutsch-Leistungskurse der MSS 12 (WAG/FUN) die alljährliche Exkursion in die knapp 60.000 Einwohner fassende, thüringische Stadt Weimar, die eine der kulturellen Hochburgen Deutschlands darstellt. Weimar war nicht nur Schaf­fensort Goethes und Schillers, sondern auch Meilenstein unserer Geschichte (Weimarer Republik) und beherbergte weitere Größen wie Franz Liszt oder Gropius (Bauhaus-Architektur).

Nach mehrstündiger, aber angenehmer Busreise, erreichten wir die EJBW (Europäische Jugend­begegnungs- und -bildungsstätte Weimar), eine moderne und gut ausgestattete Jugendherberge. Jedoch stand erst einmal Kultur auf dem Programm, bevor wir uns häuslich niederlassen konnten. Nach einer kurzen, selbstständigen Erkundungstour, auf der wir u.a. die regionale und auch bei uns populäre Spezialität kosten durften: Thüringische Rostbratwürste,  erhielten wir eine Führung durch die berühmte Herzogin Anna Amalia Bibliothek, deren Highlight, der Rokokosaal, mit seiner Fülle an historisch wertvollen Schriften, von päpstlichen Bullen bis zu mittelalterlichen Doktorarbei­ten, und seinem Prunk uns fast den Atem raubte. Noch mehr Bücher gab es dann im angrenzen­den Studienzentrum. Anschließend traten wir den Rückweg zur EJBW an, unterbrochen durch einen kurzen Aufenthalt an Goethes bekanntem Gartenhaus, mitten im Park an der Ilm, und bezo­gen Quartier und unsere Betten. Gestärkt durch vitaminreiche Säfte machten wir in der Dunkelheit Weimars Straßen in kleineren Gruppen unsicher, wobei keine Verluste zu vermelden waren.

Der nächste Tag begann vor dem dem Deutschen Nationaltheater, ein historisch bedeutsamer Ort, und der prominenten Statue von Goethe und Schiller, die als Ausgangspunkt für eine einstündige Stadtführung diente.

Foto von beiden Deutschkursen; Fotografiert von Herr Funk

Bei dieser erfuhren wir mehr über das Schaffen und Wirken Schillers, die re­volutionären Taten Anna Amalias (Eröffnung einer Bibliothek für jedermann, Lesezirkel, Bürgerliche und Adlige an einem Tisch) und die Freundschaft zwischen Herzog Carl August und Goethe, der auch auf politischer Ebene tätig war. Mehr über ihn, sein Privatleben, seine Motive und seine Affä­ren brachte uns die direkt neben seinem Wohnhaus errichtete Ausstellung näher. Dort verabschie­deten wir unseren jungen Guide Martin Friedrich Kargel, der uns bereits am Vortag, in der Stadt und in der Ausstellung mit viel Humor und Charme auch trockene Themen lebendig und inter­essant vermittelte. Weiteren Kursen können wir ihn nur empfehlen. Anschließend führte uns der elektronische Audioguide durch Goethes Wohnhaus, das, bedingt durch die Tatsache, dass nach seinem Tod nichts verändert wurde, eine sehr große Authentizität an den Tag legte.

Die Mittagspause verbrachte unser LK geschlossen im nahen Restaurant „La Perla“, in dem wir als einzige Gäste gutes Essen genossen. Gestärkt machten wir uns erneut auf den Weg zum Garten­haus, wo wir uns im Licht der untergehenden Sonne durch die einzigartige Atmosphäre inspiriert, wie Goethe vor 200 Jahren, an eigenen, kleinen, literarischen Werken versuchten. Der restliche Nachmittag stand zur freien Verfügung, was einige zur weiteren Erkundung des Parkes nutzten, der vieles zu bieten hat und trotz seiner zentralen Lage in der Stadt ein Hort der Ruhe und Erho­lung ist. Abends nahmen wir auf verschiedene Clubs und Weisen bereits Abschied von Weimar.

Der letzte Programmpunkt des folgenden Tages lag allen schwer im Magen und im Bus wurde es merklich stiller, je näher wir dem Ettersberg und damit der Gedenkstätte Buchenwald kamen. Bei der Besichtigung zeichneten sich Erschütterung und Fassungslosigkeit angesichts derartiger men­schenverachtender Gräueltaten auf den Gesichtern aller ab und kaum einer griff zum Fotoapparat. Zynischerweise schien eine strahlende Herbstsonne und nur der kalte Wind mahnte uns an die abertausenden Opfer des Nationalsozialismus, die hier und in ganz Europa ihren Tod fanden. Die auf Körpertemperatur erwärmte Gedenkplatte inmitten der Ruinen der Baracken erinnert stumm an die Schrecken, die wir uns beim Besuch nicht ansatzweise vorstellen konnten. Gerade einmal sie­ben Kilometer trennen Deutschlands kulturträchtigste Stadt von Deutschlands dunkelster Zeit.

Nichtsdestotrotz stieg nach einiger Zeit wieder die Stimmung im Bus und wir erinnerten uns an zwei schöne, lehrreiche und inspirierende Tage, die wir so nicht erwartet hätten und unseren Blick auf neue Aspekte des Deutschunterrichtes gelenkt haben. Auch zeigten sich alle Teilnehmer nun von ihrer privaten Seite: Aus Klassenkameraden wurden Freunde und aus Lehrern wurden ange­nehme Gesprächspartner. Eine rundum gelungene Exkursion, die wir immer wiederholen würden.

v.l.n.r.: Illyana B. , Nikolai W., Ich, Florian R. Luigi R., Jorma V., Sarah K., Pauline K., Nadja K. ; Fotografiert von einem freundlichen Spaziergänger 🙂
Quelle des Textes: Jorma Vogel und Nikolai Weis
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Ein Gedanke zu “[Gastbeitrag] Einmal Weimar – Immer Weimar

  1. […] Der Oktober war für mich ganz besonders ein Monat der Bücher. Zuerst stand die Kursfahrt in die Kulturstadt Weimar statt. Zusammen mit den anderen Schülern begab ich mich auf die Spuren von Goethe und Schiller. Zusammengefasst haben zwei meiner Freunde den Aufenthalt unter der passenden Überschrift “Einmal Weimar – Immer Weimar“. […]

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